Landschaftserhaltungsverband Landkreis Göppingen e.V. - LEV

Bekämpfung der Giftpflanze Herbstzeitlose auf Naturschutzwiesen

Landschaftspflegetag des LEV und des Landwirtschaftsamtes am 27.04.2019 im NSG "Heldenberg"

Herbstzeitlosen zum Schweine füttern! Die Redensart, die bezeichnet, wenn etwas im Überfluss vorhanden ist, sollte man besser nicht wörtlich nehmen. Schweine und insbesondere auch Pferde reagieren sehr empfindlich auf die in der Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) enthaltenen Giftstoffe. Neben dem Alkaloid Colchicin sind noch weitere Stoffe in der Pflanze vorhanden, die auch für Rinder, Schafe und Ziegen gefährlich sind. Bei Jungtieren kann schon eine geringe Dosis zum Tod führen. Ein zunehmendes Problem für einige Landwirte im Landkreis Göppingen. Ein großes, wenn man Flächen mit einem sehr hohen Anteil an Herbstzeitlosen bewirtschaftet. Denn das Futter von solchen Wiesen ist kaum verwertbar. In der Regel muss der Großteil des Futters dann mit viel Aufwand entsorgt werden. Das stellt die Nutzbarkeit der Flächen grundsätzlich in Frage. Möchte man flächendeckend blumenbunte Wiesen im Land erhalten ist die Nutzung aber unverzichtbar. Der Grundsatz „Schützen durch Nützen“ ist in diesem Fall enorm wichtig. Giftpflanzen verhindern aber eine Futternutzung, weshalb solche unerwünschten Pflanzen unbedingt in Schach gehalten werden müssen.

Eine gängige Methode die Herbstzeitlose zu bekämpfen, ist ein früher und häufiger Schnitt bei guter Nährstoffversorgung der Böden. Denn die Pflanze bildet jedes Jahr im Untergrund eine Knolle, aus der sie im nächsten Jahr wieder austreibt. Schneidet man die oberirdischen Pflanzenteile rechtzeitig ab, kann sie keine, oder nur eine sehr kleine Knolle bilden und die Aussamung wird unterbunden. Im Folgejahr ist dann auch der Austrieb der Blätter geringer. Bei entsprechender regelmäßiger Bewirtschaftung lässt sich so der Bestand der Herbstzeitlose verringern. Allerdings kann nicht auf jeder Fläche ohne weiteres die Bewirtschaftung intensiviert werden. Wiesen, die aufgrund ihres Artenreichtums dem sogenannten Lebensraumtyp „Magere Flachland-Mähwiese“ entsprechen, sind durch die europäische FFH-Richtlinie gesetzlich geschützt. Sie wurde von der EU bereits 1992 erlassen und bildet zusammen mit der Vogelschutzrichtlinie von 1979 das Schutzgebietsnetz Natura 2000. Die Abkürzung FFH steht für Fauna, Flora, Habitat. Geschützt werden sollen also Tiere, Pflanzen und Lebensräume. Die Mitgliedsstaaten sind gemäß Artikel 6 Absatz 2 verpflichtet Maßnahmen zu ergreifen, die eine Verschlechterung der Lebensräume verhindern. Es gilt also ein Verschlechterungsverbot einzuhalten. Für die Bewirtschafter bedeutet dies, sie müssen den Artenreichtum erhalten, auch wenn in den Wiesen besonders viele Herbstzeitlosen vorkommen, gleichzeitig nimmt damit aber das Problem mit der giftigen Pflanze zu.

Die naturschutzfachliche Wertigkeit der FFH-Wiesen wird landesweit von Experten beurteilt und in Offenlandbiotopkartierung oder FFH-Managementplan dokumentiert. Die LUBW (Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg) hat die Daten aus diesen Kartierungen analysiert und einen offensichtlichen Zusammenhang zwischen dem Erhaltungszustand der Mageren Flachland-Mähwiesen und dem Vorkommen der Herbstzeitlose festgestellt (LUBW Naturschutz-Info 2/2018). Der Flächenanteil von Wiesen mit der höchsten Bewertungsstufe (A), die ein Herbstzeitlosenvorkommen aufwiesen, liegt bei 41 %! Bei denen mit der niedrigsten (C) dagegen bei nur 15 %. Bewertet werden Artenreichtum, Habitatstruktur und Beeinträchtigungen einer Fläche. In der Regel werden hoch bewertete Flächen extensiv bewirtschaftet, da dies den Artenreichtum fördert. Sie unterliegen meist einer geringen Schnittnutzung und Düngung. Bedingungen, die der Herbstzeitlose offenbar entgegenkommen. In der Analyse der LUBW wurde auch festgestellt, dass der Landkreis Göppingen vom Vorkommen der Herbstzeitlose besonders betroffen ist. Knapp 42 % der Fläche an Mageren Flachland-Mähwiesen (A-C) im Kreis weist einen Bestand an Herbstzeitlosen auf. Bei 13 % der Fläche liegt der Deckungsgrad bei > 2 Pflanzen/m², der Zahl, ab der eine Bekämpfung empfohlen wird.

Ehrenamtliche Helfer beim Herbstzeitlosen stechen
Ehrenamtliche Helfer beim Herbstzeitlosen stechen
Wohlverdiente Mittagspause

Grund genug für den Landschaftserhaltungsverband und das Landwirtschaftsamt auf die Initiative einiger Landwirte aus Winzingen zu reagieren und ein Landschaftspflegetag im Naturschutzgebiet „Heldenberg“ zu organisieren, bei dem mit ehrenamtlichen Helfern auf einzelnen Mageren Flachland-Mähwiesen gezielt Herbstzeitlosen ausgestochen wurden. Das Ausstechen oder Abreißen ist eine deutlich effektivere Bekämpfungsmethode, als der frühe Schnitt. Sticht man die Knolle aus, oder reißt den Trieb knapp oberhalb der Knolle ab kann die Pflanze für das nächste Jahr kein Energiereservoir anlegen. Beim Schnitt schiebt sie dagegen wieder Blätter nach, die Photosynthese betreiben und das Überdauern der Pflanze sichern. Allerdings braucht es für die manuelle Entfernung viele helfende Hände. Erstaunlicherweise schafften es die Winzinger Landwirte 70 Helfer zu organisieren, die am Samstag 27.04. hochmotiviert um 9:00 eintrafen. Die Teilnehmer aus verschiedenen Vereinen und Organisationen wie dem Turn- und Sportverein, der Narrenzunft Holzbrockeler, den Pfadfindern, der Freiwilligen Feuerwehr, der Jagdgenossenschaft und dem Gartenbauverein wurden Herrn Stadtmüller, dem Ortsvorsteher von Winzingen, herzlich begrüßt. Einige erläuternde Informationen gab es dann noch vom Geschäftsführer des Landschaftserhaltungsverbands, Herrn Koch und Herrn Dr. Over vom Landwirtschaftsamt. Danach ging es dann in mehreren Gruppen los. Nicht jedoch ohne den besonderen Hinweis, dass das Tragen von Handschuhen absolute Pflicht ist, da die Pflanze nicht nur für Tiere, sondern auch für den Menschen giftig ist.

Für den ein oder anderen Teilnehmer bot sich dann auch Gelegenheit zum fachlichen Gespräch, denn auch Herr Lang von der unteren Naturschutzbehörde und Herr Krause, Biologe und Umweltbeauftragter der Stadt Donzdorf, waren anwesend. Einen Besuch der Veranstaltung ließ sich auch der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes und Bundestagsabgeordnete Hermann Färber nicht nehmen. Die Herbstzeitlosenproblematik beschäftigt den Landwirt und Politiker gleichermaßen. Denn der Unmut Seitens der Bauernschaft aufgrund der wirtschaftlichen Einbußen durch die Herbstzeitlosenvorkommen in FFH-Wiesen wächst. Wo sie es dürfen, führen viele Landwirte Ende April einen Mulchschnitt durch, um die Herbstzeitlose zu bekämpfen. Bis dann wieder geschnitten werden kann sind die Blätter größtenteils verrottet und der Neuaustrieb der Herbstzeitlose gering, so dass wenigstens ein Teil des ersten Aufwuchses etwa im Juni genutzt werden kann. In trockenen Jahren wie 2018 kommt dann aber auf nährstoffarmen Standorten kaum noch einmal Biomasse zusammen, um einen zweiten Schnitt durchzuführen und der Mehraufwand fürs Mulchen wird nicht vergütet. Die wirtschaftliche Nutzbarkeit der Flächen steht damit in Frage und damit auch die generelle Nutzung. Auch aus Sicht des Naturschutzes ist das ein Problem. Artenreiche Wiesen nehmen eine wichtige Stellung im Naturhaushalt ein. Sie sind ein unersetzlicher Lebensraum zahlreicher Tierarten. Baden-Württemberg hat als Bundesland mit einem Schwerpunktvorkommen des Lebensraumtyps Magere Flachland-Mähwiese innerhalb Europas auch eine besondere Verantwortung für dessen Erhalt. Die Bewirtschaftung artenreicher und extensiv genutzter Wiesen wird zunehmend uninteressant, weshalb es für die Landwirte verschiedene Fördermöglicheiten gibt (FAKT, LPR). Die dafür ausgewiesenen Prämien unterstellen aber eine wirtschaftliche Verwertung des Aufwuchses. Tritt die Herbstzeitlose so massiv wie auf vielen Flächen am Heldenberg auf, ist aber an eine Verfütterung nicht mehr zu denken, weshalb betroffene Landwirte berechtigterweise zusätzliche Unterstützung einfordern. 

Gruppenbild der Teilnehmer
Ein Anhänger voll Herbstzeitlosen
ausgestochene Herbstzeitlose mit Knolle

Dafür fand sich im NSG „Heldenberg“ eine große Helferschar ein, die zum Mittag eine beachtliche Menge an Herbstzeitlosen bestaunen konnte. Ein großer Anhänger voll der tulpenähnlichen Blätter war zusammengekommen. Die Teilnehmer ließen sich Ihre Mittagsverpflegung schmecken und erholten sich von der mühsamen Arbeit. Eigentlich sollte es dann gutgelaunt weitergehen, doch ein Wolkenbruch durchnässte kurz darauf die Helfer und machte der weiteren Bekämpfung der Herbstzeitlose einen Strich durch die Rechnung. Da die Aktion allen Beteiligten sichtlich Spaß gemacht hat wird eine Wiederholung sicher möglich sein. Dann hoffentlich bei besserem Wetter, auch wenn die Böden den einsetzenden Regen dringend nötig hatten.

Weiterführende Infos:

Natura 2000, FFH-Richtlinie, Vogelschutzrichtlinie

LUBW Naturschutz-Info 2/2018, Seite 27-33, Die Herbstzeitlose in HHF-Mähwiesen

Brückenbauer zwischen Mensch und Natur

Wacholderheiden im oberen Filstal, Streuobstwiesen im Albvorland, Heckenlandschaften auf der Albhochfläche oder naturnahe Bachläufe im Schurwald prägen den Landkreis Göppingen und zeichnen ihn somit durch eine besonders reizvolle und artenreiche Landschaft aus. Diese Kulturland­schaft wurde vom Menschen geschaffen und lässt sich nur durch Bewirtschaftung und Pflege erhalten. Hier unterstützt der Landschaftserhaltungsverband Landkreis Göppingen e.V. Flächenbewirtschafter, Kommunen und Naturschutzvertreter.

NSG "Oberer Berg"
Pflegemaßnahmen an der Hausener Wand
Weidbuchen bei Gruibingen

Themenbereiche

Ziele und Aufgaben

Ziele und Aufgaben ​

Übergeordnetes Ziel des LEV ist die Erhaltung und Entwicklung der vielfältigen Kulturlandschaft sowie der biologischen Vielfalt im Landkreis. Unsere Aufgaben sind unter anderem die Umsetzung der Ziele des europäischen Schutzgebietssystems Natura 2000, die Offenhaltung der Kulturlandschaft, der Erhalt und die Entwicklung besonderer Biotope und die Durchführung von Artenschutzmaßnahmen. Bei der Umsetzung von Natura 2000 kommt eine besondere Bedeutung dem Erhalt der Wacholderheiden, Magerasen und Mageren Flachlandmähwiesen zu. Unsere Ziele erreichen wir durch die fachliche Beratung und Unterstützung von Kommunen, Flächenbewirtschaftern und Naturschutzvertretern bei der Landschaftspflege und Landschaftsentwicklung, v. A. hinsichtlich Fördermöglichkeiten und Maßnahmenumsetzung. Die Koordination, Organisation und Begleitung der Pflege naturschutzwichtiger Flächen im Konsens zwischen allen Beteiligten unter Anwendung der Landschaftspflegerichtlinie (Vertragsnaturschutz LPR A, Kreispflegeprogramm LPR B-E) sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Tätigkeit.

Einen Überblick über die vielfältigen Tätigkeiten des LEV können sie unserem Informationsflyer entnehmen: Der LEV stellt sich vor (520,3 KB)

Sind Sie an weiteren Informationen interessiert, können Sie gerne auf uns zukommen.

Projekte, Geschäftsberichte und Infomaterial

Projekte

Mit der Planung und Umsetzung von zahlreichen Landschaftspflegeprojekten schaffen wir es flächenwirksame Landschaftspflegemaßnahmen voranzutreiben. Alle dienen dem Erhalt der für unseren Heimatkreis typischen Landschaftselemente und der darin vorkommenden besonderen Tier- und Pflanzenvorkommen.

Einige Beispiele können Sie in verschiedenen Projektbroschüren nachlesen:
Vertragsnaturschutz - Wacholderheide (699,6 KB)
Heckenpflege auf dem Kornberg und den Rufsteinhängen (3,04 MB)

Geschäftsberichte

In unseren Geschäftsberichten sind die vielfältigen Tätigkeiten dargestellt, die in den jeweiligen Geschäftsjahren durchgeführt werden konnten:

Infomaterial

Auf unsere Arbeit möchten wir auch mit Infobroschüren und Flyern aufmerksam machen. Wenn Sie für eine Veranstaltung o. ä. Informationsmaterial zur Verfügung gestellt bekommen möchten sprechen Sie uns bitte an. 

Organisation des Verbandes

Organisation des Verbandes

Der Landschaftserhaltungsverband Landkreis Göppingen e. V. (LEV) ist ein gemeinnützig eingetragener Verein, der am 19.11.2013 gegründet wurde. Es ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Kommunen, Landwirtschafts- und Naturschutzvertretern.
Informationen zur Organisation des LEV

Mitmachen

Mitmachen​ - Mitglied werden

Wenn Ihnen der Erhalt und die Entwicklung der vielfältigen Kulturlandschaft im Landkreis Göppingen wichtig ist, können Sie die Ziele des LEV unterstützen, indem Sie Mitglied beim LEV werden, eine Spende für Landschaftspflegemaßnahmen an den LEV richten oder selbst Flächen bewirtschaften. Wir beraten Sie gerne.

Mitmachen - Mitarbeiten (Praktikum)

Sie interessieren sich für die Arbeit des LEV Göppingen? -  Für die Arbeit mit Mensch und Natur? Dann ist ein Praktikum beim LEV Göppingen vielleicht der richtige Einstieg für künftiges Arbeiten im Fachbereich Naturschutz und Landschaftspflege. Erfahren Sie hier was genau Sie bei einem Praktikum erwartet:

Praktikum beim LEV (502,8 KB)

Landschaften im Landkreis Göppingen

Landschaften im Landkreis Göppingen​

Sechs verschiedene Landschaftstypen prägen den Landkreis Göppingen. Der LEV hat in diesen Landschaftstypen unterschiedliche Aufgabenschwerpunkte.
Landschaften im Landkreis Göppingen (1,42 MB)

Förderung Baumschnitt

Landesförderung Baumschnitt - Streuobst

Im Rahmen der Streuobstkonzeption des Landes Baden-Württemberg gab es im Frühjahr 2015 erstmals die Möglichkeit, eine Förderung für den fachgerechten Schnitt von Streuobstbäumen zu beantragen (fünfjähriger Förderzeitraum). Der LEV unterstützt die Sammelantragsteller bei der Abwicklung dieser Förderung.
Informationen zur Förderung und Unterstützungsangebot

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