Umweltvorsorge durch Bodenschutzkalkung

Bodenschutzkalkung der Wälder im Landkreis Göppingen wird fortgesetzt.

Pressemitteilung - Eine Kur bekommen auch dieses Jahr wieder Teile der Waldböden im Landkreis verordnet.

Ausbringung des Kalkgranulates mittels Hellikopter (Foto: Landratsamt Göppingen)

Anthropogene Stoffeinträge, die durch Regen in den Boden gespült werden, verursachen die Versauerung der Waldböden. Abhilfe dagegen verschafft die Ausbringung von Kalkgranulat.
Ab dem 01.07. beginnt die umfangreiche Maßnahme. Es werden hauptsächlich Waldböden im unteren Filstal und im Schurwald behandelt. Bereits 2018 hat man Teile der Waldböden auf etwa 500 ha im Landkreis gekalkt. Dieses Jahr beteiligen sich verschiedene Waldbesitzer an der großflächigen Aktion. Über 1.700 Hektar Wald werden jeweils zur Hälfte entweder mit einem Hubschrauber beflogen oder mittels Gebläse vom Boden aus gekalkt. Geplant ist, dass die Arbeiten bis Mitte August abgeschlossen sind.

Ausgebracht wird ein Gemisch aus Dolomit, Holzasche und Wasser. Dieses bewirkt eine Erhöhung des pH-Wertes der Waldböden.
Eine höhere Basensättigung, Kohlenstoffspeicherung, Vielfalt und Häufigkeit von Bodenlebewesen sind die mittelbaren gewünschten Ergebnisse. Durch diese Maßnahmen wird sichergestellt dass die natürlichen Wasserfilter und Garant für sauberes Grundwasser auch in Zukunft funktionsfähig sind. Eine gesundheitliche Gefährdung für Menschen durch das Kalkmaterial besteht nicht. In den berührten Waldgebieten kommt es während der Ausbringungsarbeiten zu Wegesperrungen. Zur eigenen Sicherheit sollte das Gebiet in der Zeit des Helikopterfluges nicht betreten werden. Abgesehen davon, dass sich Staub bilden wird, kann es vorkommen, dass kleine
Steinchen oder Klumpen im Material enthalten sind. Damit diese keine Schäden anrichten, bitten wir die Bevölkerung den Absperr- und Hinweisschildern Folge zu leisten.

Hintergrundinformation

Baden-Württemberg ist bundesweit eines der waldreichsten Länder. Es ist auf einer Fläche von rund 1,4 Millionen Hektar und zu 39 Prozent von Wald bedeckt.

Bodenversauerung

Die zunehmende Industrialisierung insbesondere im 20. Jahrhundert hat den Zustand der Waldböden nachhaltig beeinflusst. Massive Säureeinträge in den Boden haben dazu geführt, dass Nährstoffe ausgewaschen wurden und es entstand ein für viele Bodenlebewesen zu saures Milieu. Als Folge sind viele Waldböden in ihrer Funktion als Trinkwasserfilter, Pflanzenstandort und Lebensraum nur noch eingeschränkt funktionsfähig. Die Schäden durch die Bodenversauerung aus der Vergangenheit können die Waldböden allenfalls nur zu Teilen selbständig regenerieren, was den Wald als Ökosystem und seine Funktion belastet. Mit dem Kalkungskonzept von ForstBW soll ein natürlicher Bodenzustand, als Grundlage für einen Wald mit hoher Biodiversität und guten Voraussetzungen für den bevorstehenden Klimawandel erreicht werden.

Bodenschutzkalkung im Landkreis Göppingen

Die Planung, Ausschreibung und Überwachung der Durchführung übernimmt die Untere Forstbehörde des Landkreises Göppingen. Für die Planung der Bodenschutzkalkung wurden zahlreiche in einem GIS-System erfasste Informationen über den Bodenzustand durch die Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg in Freiburg herangezogen und durch hunderte Bodenproben im Staats- und Privatwald ergänzt. Auf diesen Grundlagen werden Karten erstellt, die als Planungsgrundlage der Kalkungsmaßnahme dienen. Darin sind bereits Kalkungsflächen, kalkungsempfindliche Ausschlussbereiche, die geeignete Materialmischung und eine Empfehlung zur Art der Ausbringung dargestellt. Auf Grundlage dieser Karten erfolgt eine Abstimmung mit der Naturschutz- und Wasserbehörde. Die Kalkungsmaßnahmen werden anschließend ausgeschrieben und die Durchführung der Maßnahme vor Ort von den Forstleuten überwacht.

Vorteile der Bodenschutzkalkung

Die Folgen eines sauren Waldbodens sind die Einschränkung der vielfältigen Funktionen der Böden. Zum einen als Standort für Bäume und Pflanzen, als Lebensraum unzähliger Bodenorganismen und als Filter für unser tägliches Trinkwasser.
Gekalkt wird nicht wahllos, sondern nachdem eine Vielzahl von Bodenproben ergeben hat, dass der Waldboden in bestimmten Bereichen zu sauer ist. Sensible Bereiche werden durch die gezielte Ausbringung ausgespart.

Die Wirkung des Kalks stellt sich in kürzester Zeit ein. Nachdem der Regen den Kalk in den Boden gepült hat steigt der pH-Wert des Bodens messbar an.

Förderung für Waldbesitzende

Die Europäische Union fördert die Bodenschutzkalkung für Waldbesitzende unter 30 Hektar mit 100 Prozent der entstehenden Kosten. Lediglich die Umsatzsteuer ist nicht förderfähig und muss vom Eigentümer selbst getragen werden. Waldbesitzende über 30 Hektar werden mit 90 Prozent der Nettokosten gefördert. Die Preise differieren je nach Ausbringungsverfahren, sowie dem ausgebrachten Material. In befahrbaren Lagen (Hanglagen bis 30 Prozent) mit einem gut ausgebauten Wegenetz (Gassenabstand von max. 40 bis 60 Meter) kann ein Bodenverblasefahrzeug eingesetzt werden. In schwer befahrbaren Lagen (Hanglagen über 30 Prozent oder unzureichender Feinerschließung) kommen Hubschrauber zum Einsatz, was die Ausbringung um bis zu einem Drittel verteuern kann. Förderanträge und weitere Unterlagen sind bei der unteren Forstbehörde erhältlich.

Ansprechpartner:

Landratsamt Göppingen
Forstamt Göppingen
Kai Struppek   
Telefon: 07161 202-2431
E-Mail
 

Weitere Informationen

Forstamt