70 Jahre Psychologische Beratung im Landkreis Göppingen

Das Psychologische Beratungszentrum des Kreisjugendamtes feiert 70jähriges Bestehen

Pressemitteilung - Die Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche wurde in den unmittelbaren Nachkriegsjahren 1949 in der Trägerschaft des damaligen Schulamtes gegründet und ging 1954 in die Trägerschaft des Kreisjugendamtes über. Die Beratungsstelle für Ehe, Familien- und Lebensberatung nahm 1979 ihre Arbeit auf.

Holzfiguren als Symbolbilsd für Beziehungen und Familie

Anlässlich des 70jährigen Jubiläums fand am 28.11.2019 ein Tag der offenen Tür in den Räumen des Psychologischen Beratungszentrums im Wilhelm-Busch-Weg 5 statt. 80 Besucherinnen und Besucher bekamen Einblick in die Beratungsarbeit und die Räumlichkeiten vor Ort.
 
Der Gründung der Erziehungsberatung ging nach Kriegsende das Streben nach einer endlich wieder friedlichen und wirtschaftlich gesicherten Zukunft für die Kinder, Jugendlichen und deren Familien voraus. Eltern und Großeltern wollten die heranwachsende Generation bestmöglich in ihrer persönlichen, schulischen, beruflichen und familiären Entwicklung unterstützen. Auch war man bemüht, dadurch einiges „wiedergutzumachen“, was in der Zeit zwischen 1933 und 1945 zu äußeren und inneren, passiven und aktiven Traumatisierungen geführt hatte. Man hatte den Blick auf die psychische Befindlichkeit der Kinder und Jugendlichen wieder geöffnet.
 
Bis es zur Gründung der Erwachsenenberatung kommen würde, sollten noch 30 Jahre ins Land gehen. Der Zeitraum einer Generation. Die Familien hatten längst zur Normalität zurückgefunden und die Familien der Nachkriegsgeneration waren entstanden. Sowohl gesellschaftlich als auch wirtschaftlich war ein Niveau erreicht worden, wie es Jahrzehnte zuvor nicht existiert hatte. Eltern und Großeltern hatten ihren Kindern den Weg in eine blühende Zukunft geebnet, die sogar schon greifbar war.
 
Jetzt konnten sie sich die Freiheit nehmen, sich auch mit ihren eigenen Befindlichkeiten zu beschäftigen, die sie nach 1945 den äußeren Notwendigkeiten, dem Wiederaufbau und dem Wohlergehen ihrer Kinder untergeordnet hatten. In universitären und politischen Foren wurde über die seelische Gesundheit generationsübergreifend gesprochen. Psychologie und Psychotherapie wurden gesellschaftsfähig. Eltern und Großeltern begannen über längst zurückliegende Ereignisse und deren oft traumatischen Auswirkungen auf sie selbst zu sprechen. Angestoßen wurde dieser Prozess auch durch die Fragen der Kinder und Enkelkinder. 1979 nahm auf diesem Hintergrund die Ehe,- Familien- und Lebensberatungsstelle als neue Einrichtung des Landkreises ihre Arbeit auf.
 
1993 wurden beide Beratungsstellen im Wilhelm-Busch-Weg im Schwesternwohnheim des „alten“ Göppinger Krankenhauses unter einem Dach zum Psychologischen Beratungszentrum zusammengeführt.
 
Zur „Erziehungsberatung“ kommen überwiegend Eltern mit Fragen zur Entwicklung oder Erziehung ihrer Kinder sowie Jugendliche mit persönlichen Anliegen. Übergänge in veränderte Familienformen z.B. nach Trennung oder Scheidung können Thema sein. Ablösungsprozesse der Jugendlichen und jungen Erwachsenen oder deren schulisch-berufliche Angelegenheiten können Fragen aufwerfen, mit denen die Betroffenen in die Beratung kommen.
 
Zur Erwachsenenberatung kommen Menschen mit persönlichen Anliegen, die die Partnerschaft, den Beruf, die seelische oder körperliche Gesundheit betreffen. Der Umgang mit dem eigenen Älter-Werden, die Beziehung zu betagten Angehörigen und deren Versorgung und Abschiedsprozesse können thematisiert werden.
 
Beratung ist dabei Hilfe zur Selbsthilfe. Neue Perspektiven können entwickelt werden, aus denen Alternativen zum bisherigen Erleben und Handeln entstehen. Auch können Menschen, die sich einer Psychotherapie annähern wollen, in ihrem Wunsch und ihrer Entscheidung für die Psychotherapie begleitet und unterstützt werden.
 
Sowohl die Erziehungsberatung als auch die Erwachsenenberatung ist über sieben Jahrzehnte zu einem festen Bestandteil der psychosozialen Versorgung der Bevölkerung durch die Landkreisverwaltung geworden.
 
 

Ansprechpartnerin

Kreisjugendamt
Claudia Preisner
Verfasser: Wolfgang Dürr
Telefon: 07161 202- 4371
Fax: 07161 202- 4392
E-Mail: c.preisner@lkgp.de

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