Im Vorfeld zur ersten Kommunalen Gesundheitskonferenz hat das Gesundheitsamt in den sechs Gemeinden Börtlingen, Donzdorf, Hattenhofen, Rechberghausen, Schlierbach und Wiesensteig eine Bürgerbefragung zur medizinischen Versorgung sowie eine kreisweite Ärztebefragung durchgeführt. Unterstützt wurde diese Aktion von der Kreisärzteschaft sowie von den Bürgermeistern. Die Ergebnisse der Umfragen liegen nun vor und wurden vom Gesundheitsamt in der ersten Sitzung der Kommunalen Gesundheitskonferenz präsentiert. Die wesentlichen Ergebnisse der einzelnen Umfragen sind im Folgenden aufgelistet:
Einzelne Ergebnisse der Bürgerbefragung in den sechs kreiseigenen Kommunen:
Insgesamt konnten 1.407 Fragebogen von Bürgerinnen und Bürger aus dem Landkreis ausgewertet werden.
- Mehr als die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger waren über 51 Jahre alt.
- Rund ein Drittel der Befragten wohnen in einer Stadt mit mehr als 10.000 Einwohnern.
- Insgesamt beteiligten sich etwas mehr Frauen als Männer.
- Mehr als die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger sind mit dem Ärzteangebot in ihrer Gemeinde zufrieden.
- Diejenigen, denen Fachärzte fehlen, vermissen am häufigsten Augenärzte, Ärzte für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Fachärzte für Haut- und Geschlechtskrankheiten.
- 89 Prozent der Befragten gibt an, ihren Hausarzt entweder innerhalb von 15 Minuten zu Fuß oder innerhalb von 15 Minuten mit dem Pkw erreichen zu können.
- Aus der Sicht der Bürgerinnen und Bürger ist es wichtig, dass in der Nähe ihres betreuenden Arztes eine Apotheke ist, der Arzt Hausbesuche anbietet und in der Nähe der Praxis weitere medizinische Therapeuten wie z.B. Krankengymnasten, Logopäden oder Ergotherapeuten angesiedelt sind.
Einzelne Ergebnisse der Befragung von Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeeinrichtungen:
- Damit sich auch die betagtere Bürgerschaft angemessen beteiligen konnte, erhielten die Seniorinnen und Senioren in Pflegeeinrichtungen Fragebogen, die direkt an die Einrichtung übersandt wurden.
- Insgesamt beteiligten sich 146 Seniorinnen und Senioren an der Umfrage.
- Zur ärztlichen Versorgung geben sie an, dass sie überwiegend durch ihren früheren Hausarzt in der Einrichtung betreut werden (63,4 %). In der Regel findet der persönliche Kontakt zum Hausarzt im Heim statt.
- Nur 1 Heimbewohner von den 146 befragten gab an, keinen Hausarzt zu haben
Einzelne Ergebnisse der Befragung des Personals von Pflegeeinrichtungen:
- Auch das Personal in den Pflegeeinrichtungen wurde befragt.
- Insgesamt beteiligten sich 92 Pflegerinnen und Pfleger an der Umfrage.
- Sie beurteilen die ärztliche Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner mehrheitlich mit „sehr gut“ bis gut“.
Einzelne Ergebnisse der kreisweiten Ärztebefragung:
- Insgesamt beteiligten sich 344 Ärztinnen und Ärzte, davon 111 Hausärzte und 225 Fachärzte, an der Umfrage.
- Fast zwei Drittel der beantworteten Ärztefragebogen stammen aus Gemeinden mit mehr als 10.000 Einwohnern.
- Rund ein Drittel der Ärztinnen und Ärzte, die sich an der Umfrage beteiligt haben, sind über 56 Jahre alt.
- Nach eigenen Angaben planen in etwa ein Fünftel ihren Ruhestand in 1 - 5 Jahren und weiteres Viertel in den nächsten 5 - 10 Jahren.
- 18 Prozent der Ärztinnen und Ärzte suchen bereits nach einem Nachfolger, nur bei 3 Prozent ist die Suche mit Erfolg abgeschlossen
- Die befragten Ärzte gaben mehrheitlich an, dass die Patienten in ihrem Versorgungsbereich ärztlich „ordentlich versorgt“ sind. Ein Fünftel empfindet , dass die Patienten bereits unterversorgt sind, wobei die Gemeindegröße, in der der Arzt praktiziert, keine Rolle spielt.
- Nach Angaben der Mediziner schätzen sie zur Ansiedlung einer Praxis in einer Gemeinde eine Apotheke, weitere Fachärzte und medizinische Therapeuten im Umfeld der Praxis als wichtigen Faktor ein.
Zusammenfassung:
Insgesamt schätzen sowohl die Ärzte als auch die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis die ärztliche Versorgung aktuell als „gut“ ein.
Zwischenzeitlich gibt es jedoch in einzelnen Gemeinden Probleme einen Nachfolger für die wieder zu besetzende Hausarztpraxis zu finden. Die große Herausforderung ist es also, weiterhin eine ordentliche Versorgung für die Bewohnerinnen und Bewohner der ländlichen Gemeinden aufrecht zu erhalten. Auf Grund der Altersentwicklung der Haus- und Fachärzte im Landkreis ist davon auszugehen, dass gut ein Viertel der Mediziner in den folgenden fünf Jahren Nachfolger für ihre Praxen suchen werden. Es ist allgemein bekannt, dass der Nachwuchs mittelgroße bis große Städte als Arbeitsort am attraktivsten findet. Eine Tätigkeit als angestellter Arzt wird von den jungen Medizinern einer Tätigkeit in eigener Praxis vorgezogen.
Den Verantwortlichen in den Kommunen im Landkreis und Landrat Edgar Wolff ist es ein Anliegen, dass die Bürgerinnen und Bürger auf dem Land und in der Stadt gleichwertige Lebensbedingungen vorfinden. Dies gilt auch für die ärztliche Versorgung. Deshalb werden sich auch die Mitglieder der Kommunalen Gesundheitskonferenz in einer Arbeitsgruppe zusammen setzen und Handlungsempfehlungen erarbeiten. Diese sollen dann in der nächsten Sitzung im Juni 2012 eingebracht werden.
Ansprechpartnerin:
Frau Dr. Anne Würz
Landratsamt Göppingen
Gesundheitamt
Willhelm-Busch-Weg 1
73033 Göppingen
Tel: 07161/202-1832
Fax: 07161/202-1850
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