Feuerbrand im Landkreis Göppingen
Ungewöhnlich starkes Auftreten 2008 (Rückblick)
Beschreibung, Merkmale (Juli 2008)
Feuerbrand an der Apfelsorte 'Gingener Luiken', Triebbefall
Meist liegen die Infektionen schon mehrere Wochen zurück. Durch kühlere Temperaturen im Juni (Schafskälte) werden die Bakterien in der Entwicklung gehemmt und kommen daher erst verspätet deutlich sichtbar zum Ausbruch.
An Birnenbäumen war der Neubefall im Jahr 2008 anfangs kaum feststellbar. Die schwache Blüte und das kühle Blühwetter waren sicher der Grund dafür. Bei Apfelbäumen dagegen trat der Feuerbrand bis Juli bereits sehr stark auf und musste bekämpft werden.
Dabei handelte es sich beim Feuerbrand hauptsächlich um Triebbefall. Sehr viel schwächer dagegen trat der Befall von Blütenbüscheln auf, die dann vertrockneten, sich schwarzbraun verfärbten und meist noch Blütenreste aufwiesen. Verletzungen der Triebe z. B. durch Hagelschlag und Temperaturschwankungen schufen Wunden, durch die die Feuerbrandbakterien in die Pflanzen gelangen und sich dort weiter vermehren konnten.
Ein besonderes Problem stellten im Jahr 2008 Jahr Apfelbäume aus der "Luikengruppe" dar. Dies gilt ganz besonders für den "Gingener Luiken", der in den kühleren Lagen des Landkreises meist stärker verbreitet ist.
Durch die späte Blüte kam es häufig zu Blüteninfektionen und daran anschließend zu Absterbeerscheinungen an den Blütenbüscheln, sowie zu Triebinfektionen. Es gibt viele Bäume, die Feuerbrandsymptome gleichmäßig in der Krone verteilt zeigten. Untersuchungen von einigen "Gingener Luiken" bei der Landesanstalt für Pflanzenschutz in Stuttgart erbrachten zweifelsfrei Feuerbrandbefall. Kranke Zweige und Äste sowie stark befallene Bäume stellten eine wichtige Infektionsquelle für bisher gesunde Bäume dar, weshalb in der Regel eine Bekämpfung notwendig wurde.
Bekämpfung des Feuerbrands
- Bei schwachem Befall sollten befallene Triebe bzw. Äste großzügig (bis 50 cm ins gesunde Holz) ausgeschnitten und vernichtet werden.
- Starker Befall an Jungbäumen führt meist zur Rodung, da junge triebige Apfelbäume sowie Quitten meist nicht mehr zu retten sind. Die Bakterien breiten sich in diesen Bäumen sehr rasch aus und haben deshalb in kurzer Zeit den Stamm erreicht.
- Beim Befall an älteren Hochstämmen auf den Obstwiesen ist auch ein großzügiger Rückschnitt ins alte, knorrige Holz notwendig.
- Bei den in einigen Gemeinden stark befallenen Apfelbäumen der Sorte "Gingener Luiken" wird nach Rücksprache mit der Landesanstalt für Pflanzenschutz keine Rodung empfohlen, zumal diese Sorte im Oberen Filstal auch stark verbreitet ist.
- Das Ausschneiden von befallenen Trieben und Blütenbüscheln wird aber trotzdem empfohlen, um den Infektionsdruck durch die Feuerbrandbakterien deutlich zu reduzieren. Unter günstigen Verhältnissen ist auch eine Verwachsung der Feuerbrandstellen in den nächsten Jahren möglich.
- Befallenes Pflanzenmaterial nicht unter dem Baum liegen lassen, sondern im Plastikbeutel über den Mülleimer entsorgen.
- Bei starkem Befall muss unter Umständen vor Ort das kranke Pflanzenmaterial verbrannt werden. Wegen der zu erwartenden Rauchentwicklung sollte aber das Rathaus verständigt werden!
- Schnittarbeiten nur bei trockenem Wetter durchführen.
- Eine Entsorgung über den Kompostplatz darf nicht erfolgen!
- Sommerschnittarbeiten nicht an kranken Bäumen bzw. Nachbarbäumen vornehmen. Bei warmem Wetter ist auch eine Übertragung durch Schnittwerkzeuge möglich!
Eine Meldepflicht besteht im Landkreis für Feuerbrandbefall nicht mehr, da wir längst Befallsgebiet sind. Trotzdem sollte unter Beachtung der obigen Ausführungen eine Bekämpfung unbedingt vorgenommen werden.
Amt, Ansprechpartner
Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner (Beratungsstelle für Grünordnung und Obstbau)
