Aus der Arbeit der Kreisarchäologie
Aktuelle Grabungen 2010
Zur Zeit wird wieder mit Hochdruck an der neuen B10-Trasse/Ortsumfahrung Süßen im Filstal gebaut. Die Kreisarchäologie Göppingen begleitet sämtliche Bodeneingriffe, da an mehreren Stellen aufgrund der topografischen Situation ur- und frühgeschichtliche Funde zutage treten können.
Beim Bodenabtrag für die Trasse des B466-Zubringers wurden am 22.06.2010 auf Gingener Gemarkung Spuren von zwei Gehöften der jüngeren Latènezeit lokalisiert und im Rahmen einer Notgrabung untersucht. Diese Untersuchung der Kreisarchäologie wurde von der Baufirma Wolff & Müller und vom Straßenbauamt sehr intensiv unterstützt. Wie immer war die Kreisarchäologie auch in engem Kontakt mit dem Regierungspräsidium/Ref. 86 Denkmalpflege. An der Grabung nahmen zwei junge Archäologen aus Tübingen sowie mehrere ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Kreisarchäologie teil.
Im Bereich der ersten Fundstelle kamen Spuren eines Holzpfostenbaus zutage. Erhalten waren mehrere Pfostengruben und ein Wandgräbchen. Durch die Einwirkung der Fils und eines Nebenbachs wurde der Nutzungshorizont fast vollständig zerstört.
An einer zweiten Fundstelle waren mehrere Abfall- und Pfostengruben noch bis zu 70 cm tief erhalten. Aus der Verfüllung der Gruben konnten Keramikbruchstücke und Tierknochen geborgen werden. Das keramische Fundgut weist die Siedlungsstellen in die Zeit des 2. und 1. Jahrhunderts v. Chr. Die neu entdeckten Siedlungsstellen sind möglicherweise im Kontext mit einem spätkeltischen Herrenhof (Viereckschanze) unweit von Gingen zu sehen.
Die Geländearbeiten wurden von der Bevölkerung in gingen und in Süßen mit großem Interesse verfolgt.

Presseartikel
- Keltische Abfalllöcher als Fundgruben (NWZ 02.07.2010) (241.9 KB)
- Keltische Siedlungsreste bei B10 entdeckt (NWZ 30.06.2010) (245.3 KB)
- Den Kelten auf der Spur (NWZ 26.06.2010) (291 KB)
Fundbergungen und Ausgrabungen in den Jahren 2005 und 2006
Konzentration auf Bauvorhaben
Die Geländearbeiten der Kreisarchäologie Göppingen konzentrierten sich in den Jahren 2005 und 2006 vor allem auf die zahl- und umfangreicher werdenden Bauvorhaben im Landkreis. Immer wieder waren archäologische Fundplätze oder unmittelbar an solche angrenzende Zonen von Hoch- und Tiefbaumaßnahmen betroffen, die ein Eingreifen zur Sicherung von Funden und zur Dokumentation von Befunden erforderlich machten.
Vielfältige Unterstützung
Die Einsätze der Kreisarchäologie erfolgen in enger Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege, den Baubehörden des Landkreises, der Städte und der Gemeinden sowie auch mit den Bauträgern und den vor Ort tätigen Baufirmen. Allen Beteiligten gilt der Dank für eine äußerst positive und erfolgreiche Zusammenarbeit. Sowohl bei den Unternehmungen im Gelände als auch bei der Aufbereitung des Fundguts halfen viele ehrenamtliche Mitarbeiter und Fachstudenten. Einige Helfer kommen auch aus den Reihen des Göppinger Geschichts- und Altertumsvereins sowie des Fördervereins Eislinger Saurierfunde und aus dem Erich-Kästner-Gymnasium in Eislingen. Das "Kernteam“ um den Kreisarchäologen bilden jedoch Marlies Barteit-Klopp M.A., Renate Hirsch, Winfried Poldrack, Werner Runschke und Hans Hagl. Hinzu kommen die Mitglieder der Archäologie-AG des Mörike-Gymnasiums in Göppingen unter der Leitung von Ewald Locher.
Fundplätze im Jahr 2005
- Im Zuge weiterer Renovierungsarbeiten im Inneren der Margaretenkirche in Salach wurden im Februar 2005 die Vorbereitungen zum Einbau einer Fußbodenheizung getroffen. Nach der Entfernung des Fußbodens konnten die Fundamente einer Vorgängerkirche freigelegt werden, die mit den bereits 2004 dokumentierten Mauerstrukturen im Außenbereich des Chores korrespondieren.
- Im Rahmen der umfangreichen Renovierungsarbeiten an der Oberhofenkirche in Göppingen traten im Zwickel zwischen dem Südturm und dem Chor massive Mauerreste zutage. Es handelte sich um Spuren der ehemaligen Sakristei, die auf mehreren Abbildungen des 19. Jahrhunderts noch zu sehen ist. Die vor 1870 abgerissene Sakristei wurde wohl noch in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts nach der Auflösung des Chorherrenstifts erbaut. In der Fundamentierung fand sich eine sekundär vermauerte Grabplatte mit lateinischem Kreuz vom Grab eines Chorherren aus dem 15. Jahrhundert.
- Bei einem Neubau in der Metzgerstraße in Göppingen wurde im Juli 2005 ein neuzeitlicher Kanal vom Bagger erfasst. Das aus gut behauenen Sandstein- und Kalktuffquadern gemauerte Gewölbe ist mit dem mehrfach in der Göppinger Altstadt freigelegten Ringkanal vergleichbar und datiert in die Übergangszeit vom 18. zum 19. Jahrhundert.
- Kanalarbeiten in der Ledergasse, die im Bereich des mittelalterlichen Gerberviertels von Geislingen liegt, erforderten im Sommer eine Überwachung. Während der Aushubarbeiten konnten Streufunde aus dem Spätmittelalter und der Neuzeit geborgen werden.
Fundplätze im Jahr 2006
- Nahe der Spielburg bei Göppingen-Hohenstaufen wurde Aushubmaterial deponiert, das ein interessantes Spektrum an mittelalterlichen und neuzeitlichen Funden enthielt. Der gesamte Erdhügel wurde in mehreren Einsätzen durchsucht. Anschließende Recherchen ergaben, dass dieses Material aus dem Ortskern von Hohenstaufen stammt und somit ein neues Licht auf die Ortsgeschichte wirft.
- Im Mai 2006 wurde bei der Anlage eines Fahrradwegs in Geislingen-Waldhausen auf der Gemarkung Wohlgradsweiler in einer Vertiefung spätkeltische Keramik und verziegelter Hüttenlehm geborgen.
- Am Ortsrand von Geislingen-Türkheim konnten im Baugebiet "Lichse“ 2005 und 2006 eine große Anzahl von Eisenschlacken sowie urgeschichtliche und merowingerzeitliche Keramik geborgen werden. Daraufhin wurden die Erschließungsarbeiten von der Kreisarchäologie systematisch begleitet. Vereinzelt waren noch Reste von Gruben erkennbar. Die Befunde sind jedoch aufgrund einer starken Bodenerosion bereits weitgehend zerstört. Bei den Aushubarbeiten für die Baugruben der hier geplanten Häuser wurde die Untersuchung auch 2007 fortgesetzt.
- In der "Öde“ in Göppingen wurde im Vorfeld der Bauarbeiten zur neuen Westtangente eine umfangreiche Baggersondage durchgeführt. Es bestand der Verdacht, dass im Bereich des zukünftigen Trassenverlaufs weitere Gräber eines alamannischen Friedhofs zutage treten könnten.
- Nach dem Abriss des "Oetinger-Hauses“ in Göppingen konnten im Oktober 2006 bei den Aushubarbeiten in der Kellereistraße noch bis zu zwei Meter hoch erhaltene Mauerstrukturen der inneren Stadtmauer freigelegt und dokumentiert werden. Stadtgeschichtlich interessant sind auch die Funde neuzeitlicher Keramik.
- Im November 2006 wurden bei Bodeneingriffen im Bereich eines Neubaus der Kurklinik von Bad Boll die Reste von zwei hölzernen Wasserleitungen aufgedeckt und geborgen. Dendrochronologische Datierungen beweisen, dass man die ältere der beiden Leitungen im 16. Jahrhundert, die jüngere im 19. Jahrhundert verlegte.
Freilegung von Gewölbekellern im Areal der Ruine Hiltenburg bei Bad Ditzenbach
Seit 2005 wird die Ruine Hiltenburg mit Mitteln der Gemeinde Bad Ditzenbach und der Denkmalstiftung Baden-Württemberg sowie auch mit Spendengeldern umfassend renoviert. In den Jahren 2005 und 2006 wurden die Sanierungsarbeiten durch die Kreisarchäologie Göppingen begleitet.

Bei der Freilegung von zwei großen Gewölbekellern und der Teilaufdeckung eines kleineren Kellerraums an der südwestlichen und südöstlichen Umfassungsmauer wurden zahlreiche Funde geborgen, die das Leben auf der mittelalterlichen Burg widerspiegeln. Eine große Zahl von Keramikfragmenten verteilt sich auf die Zeit des 13. bis 16. Jahrhunderts, also den Zeitraum von der Errichtung bis zur Zerstörung der helfensteinischen Residenz und Festung im Jahr 1516. Ofenkacheln sind Indizien für die Ausstattung wichtiger Räumlichkeiten mit Öfen. Die Funde von Scherben hochwertiger Gläser und rotbemalter Feinkeramik, das Fragment eines Signalhorns und ein Armbrustbolzen weisen auf eine herrschaftliche Hofhaltung hin. Einzelne Bruchstücke von Hand geformter Gefäße belegen, dass der "Schlossberg“ bereits im beginnenden ersten Jahrtausend vor Christus erstmals besiedelt war.
Privatsammlung Albert Doxie

Am 1.2.2005 verstarb der Göppinger Antikensammler Albert Doxie nach schwerer Krankheit. Seine umfangreiche Privatsammlung übereignete er dem Landkreis Göppingen mit dem Wunsch, dass diese von der Kreisarchäologie aufbereitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Die Sammlung enthält herausragende Fundobjekte aus vier Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte, die Albert Doxie seit den Fünfziger Jahren bei seinen ausgedehnten Reisen im Vorderen Orient erstanden hatte. Das einzigartige Fundgut wird nun in der Kreisarchäologie katalogisiert, zeitlich geordnet und für eine zukünftige Dauerpräsentation sowie für eine Publikation vorbereitet.
Abb. links:
Byzantinisches Reliquienkreuz aus Bronze mit gravierter Orantenfigur des Johannes zwischen Palmwedeln (10./11. Jahrhundert), Sammlung Albert Doxie (FOTO K. BODE)
Geländebegehungen
Eine äußerst wichtige Aufgabe ist das Begehen fundverdächtiger Zonen im Gelände. Deshalb sind auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter zu jeder Jahreszeit im Gelände unterwegs und suchen systematisch abgeerntete Felder und Baugebiete ab. Ihrem Fleiß verdankt die Kreisarchäologie zahlreiche Funde und die Lokalisierung neuer Fundplätze. Auch bekannte Fundstellen werden regelmäßig begangen, um den Grad der Zerstörung durch landwirtschaftliche Bodenbearbeitung abschätzen zu können. Das aufgesammelte Fundmaterial gelangt in die Kreisarchäologie und wird dort zunächst von Irene Hirsch gereinigt und zur Inventarisation vorbereitet.
