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Gewässer und Landschaft

Einfluss von Gewässern auf das Landschaftsbild

Gewässer als "Lebensadern"

Bäche und Flüsse sind als wesentliche Bestandteile des Wasserhaushaltes Lebensadern unserer Landschaften und Siedlungsräume. Sie prägen das Landschaftsbild und den Naturhaushalt. Durch Vernetzung der Lebensräume von Tieren und Pflanzen in der Unterwasserzone, in der Wasserwechselzone und im Ufer- und Auebereich entwickelt sich ein ganzheitliches ökologisches System: das Ökosystem Fließgewässer.

Die Bedeutung der Fils für den Landkreis Göppingen

Das Landschaftsbild des Kreises Göppingen ist geprägt durch die Fils und ihre Zuflüsse. Das gilt für die Herausbildung der Tallandschaften ebenso wie für die Entstehung der Filsalb oder der Kaiserberge. Auch auf die "politische Landschaft" scheint die Fils Einfluss genommen zu haben, entspricht doch das Einzugsgebiet der Fils in etwa der politischen Abgrenzung des Landkreises (siehe Karte).


Vorschaubild Wasserschutzgebiete (240 KB; 1279 x 858 Pixel) 

Für vergrößerte Darstellung bitte Bild anklicken (240 kB; 1279 x 858 Pixel)

Nutzung der Gewässer und ihre Folgen

Bis zur Industrialisierung der Arbeit gegen Ende des 19. Jahrhunderts haben die vielfältigen Nutzungen der Gewässer und ihres Umfeldes die ökologischen Verhältnisse in den Gewässerbereichen kaum nachhaltig beeinträchtigt. Erst die mit fortschreitender Industrialisierung verbundene Landflucht führte zu einem stetigen Siedlungsausbau in den Ebenen und leicht zu erschließenden Talauen, insbesondere in der Phase des Wiederaufbaus ("Wirtschaftswunder") in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Durch die Wasserentnahmen und -ableitungen aus der Fils und Wiedereinleitungen als Abwasser verschlechterte sich die Wasserqualität dramatisch. Die geruchlich und optisch wahrnehmbare Verschmutzung der Fils sowie die Schädigung der Tier- und Pflanzenwelt im Gewässer - dies war insbesondere durch den Niedergang des Fischbestandes erkennbar - führten im Kreis Göppingen Anfang der 70er Jahre zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit diesem Thema.

Sanierung der Gewässer

Die logische Konsequenz aus den Verschmutzungen der 50er und 60er Jahre war eine grundlegende Sanierung der Gewässer, um deren Qualität wieder deutlich zu verbessern. Die eingeleiteten Gewässersanierungsmaßnahmen reichten von der Frischwasseranreicherung der Fils über die Stilllegung der Triebwerkskanäle bis zum Ausbau der Kläranlagen. Die Abwasserreinigung erwies sich als die wirksamste Maßnahme. Mit einem Investitionsaufwand in die kommunalen Kläranlagen des Landkreises in einer Größenordnung von 150 Millionen Euro in den letzten 25 Jahren und jährlichen Betriebskosten von (derzeit) ca. 25 Millionen Euro verbesserte sich die Wasserqualität (Gewässergüte) in der Fils teilweise um drei Güteklassen. Ein gewaltiger Schritt!

Fließgewässer im Landkreis Göppingen

Der Lebensraum Fließgewässer hat nicht allein durch die Verschlechterung der Wasserqualität gelitten, sondern auch durch die Veränderung struktureller Merkmale (Gewässerstruktur, Gewässermorphologie). Diese Beeinflussung wurde lange Zeit nicht erkannt. Heute liegen Erkenntnisse vor, dass Eingriffe in natürliche und naturnahe Strukturen der Gewässer noch wesentlich nachhaltigere Auswirkungen haben können als die Stoffeinträge.

Eine Untersuchung der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg über die Gewässerstrukturgüte bzw. über den morphologischen Zustand der oberirdischen Fließgewässer in Baden-Württemberg mit Einzugsgebieten größer als 20 km² kommt für die Gewässer unseres Landkreises zu folgendem Ergebnis:

  • Die Fils gilt auf 80 % ihrer Fließstrecke als naturfern.
  • Der morphologische Zustand der größeren Nebenbäche (Marbach, Krumm, Lauter, Eyb, Hohlbach, Heubach, Pfuhlbach, Butzbach) ist mindestens zu 50 % beeinträchtigt.

Gewässermorphologie und ihre Bedeutung

Unter Gewässermorphologie sind unter anderem die Linienführung des Gewässers, seine Querschnittsform, die Struktur und das Gestein der Gewässersohle, die uferbegleitende Vegetation, das Uferböschungssubstrat, die Vernetzung der Wasser- und Landbereiche, der gewässernahe Talbodenbereich u. v. m. zu verstehen. Eine Beeinträchtigung der Gewässermorphologie ist eine Beeinträchtigung des Lebensraumes der Tiere und Pflanzen im und am Gewässer. Die natürliche Vielfalt von Flora und Fauna nimmt ab und damit die Stabilität des Ökosystems Fließgewässer. Ein naturnaher Zustand von Gewässerbett, Ufer und Gewässerrand sowie die Vernetzung dieser Bereiche mit dem Umland sind grundlegende Voraussetzungen für ein intaktes Ökosystem Fließgewässer.

Gewässer sind Teil unseres Lebensraumes

Die mit oben aufgezeigtem, großen finanziellen Aufwand erreichte Qualitätsverbesserung des Wassers in der Fils und in ihren Nebenbächen macht nur dann Sinn, wenn den Tieren und Pflanzen am und im Gewässer ein Ort zum Leben und zur Entwicklung geboten wird. Wurde und wird das viele Geld nur für die Tiere und Pflanzen in und an den Gewässern ausgegeben oder steckt ein anderer und vielleicht höherer Sinn dahinter? Geht es nicht letztlich um den Menschen selbst und um den Erhalt und die Wiederherstellung seines eigenen Lebensraumes? Das Ökosystem Fließgewässer ist einer von vielen Bausteinen aus denen der Lebensraum für die Menschen zusammengefügt ist.

Amt, Ansprechpartner

Umweltschutzamt

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